Tempel für die Kunst

Tempel sind eigentlich sakrale Orte, die rituelle Handlungen erlauben und für die Anbetung und Verehrung einer Gottheit erbaut wurden. Mit dieser Definition sind Tempel klar in einen religiösen Kontext eingebunden. Immer öfter hört man aber auch, dass es anscheinend andere Tempel gibt, fernab jeder Religion. Woher kommt das? In Zeiten, in denen das Sakrale vermeintlich an Bedeutung in der Gesellschaft verloren hat, suchen sich die Menschen sogenannte „Ersatzreligionen“. Ein Beispiel ist dabei sicher der Fußball, wie man ja auch in diesen Tagen sehen kann. Die Menschen rüsten sich mit Fahnen, Ketten, Hüten, Autoverkleidungen für die WM 2018.

Die Spiele ihrer Nationalmannschaft haben tatsächlich bei einem großen Teil der Bevölkerung einen ähnlichen Stellenwert, wie zu manch einer Zeit die sonntäglichen Gottesdienste. Aber Sport ist nicht die einzige Ersatzreligion, auch die Kultur, die Kunst kann eine solche sein. Und dafür braucht es Tempel, Kathedralen, wie auch immer man es nennen möchte.

 

So passiert es immer wieder, dass bei einem Museum nicht allein der Inhalt, also die Sammlung, beeindruckend und sehenswert ist, sondern schon das Haus allein ein Kunstwerk, ein Meisterwerk ist. Im Laufe der Zeiten stellten sich Architekten, Kuratoren, Direktoren, Künstler etc. immer wieder die Frage: Darf ein Haus, das Kunst beherbergt, selber Kunst sein? Das ist schwierig zu beantworten, denn zu den Künsten zählt nicht nur die Malerei, die Bildhauerei, die Videokunst etc., sondern auch die Architektur. Warum also nicht? Wichtig ist dabei sicherlich, dass die Innengestaltung den Kunstwerken Entfaltungsmöglichkeiten lässt und sich da zurücknimmt. Gleichzeitig ist es aber doch wohl so, dass man sich in tollen Räumlichkeiten wohler fühlt und somit auch die Kunst im Inneren besser genießen kann. Nicht jedes solcher architektonischen Kunstwerke ist ein kompletter Neubau, oftmals ergänzt oder ersetzt es einen schon vorhandenen Museumsbau.

Wie komme ich auf dieses Thema? Ganz einfach, ich war am 3.6.18 in der Kunsthalle Mannheim und habe mir den neuen Bau des Museums angesehen und war begeistert. Für mich fügt sich das Haus wunderbar in das Stadtbild ein und gibt der Kunst im Inneren Raum, Luft und Entfaltungsmöglichkeit. Die offene Gestaltung lässt Raum zum Durchatmen, die Terrasse ist ein Geschenk für jeden Besucher, der länger als 2 Stunden bleiben, aber auch mal kurz den Kopf frei kriegen möchte. Die Verbindung zum Jugendstilbau ist leicht und meiner Meinung nach gut gelöst. Die Sammlung des Hauses hat nun mehr Platz und kann sich besser präsentieren. Was will man mehr? Das Begleitmaterial ob digital oder analog überzeugt, und die Werkstatt für Kinder und Jugendliche ist mal nicht in den Keller verbannt, sondern im 1. OG einladend und mittendrin. Warum ist das so wichtig? Ganz einfach: lehren ist eine der Kernaufgaben der Museen und das sollte auch mittendrin stattfinden.

Und noch etwas hat mich sehr begeistert … die Auseinandersetzung mit “Beutekunst” und der dazugehörige Bereich der Provenienzforschung. Ein Thema auf das ich in einem der nächsten Beiträge noch kommen werde.

Schauen Sie doch mal in Mannheim vorbei, es lohnt sich wirklich.
In diesem Sinne!

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