“The Artist is present” – Performance Kunst

Frau vor Kunstwerken im Museum
Kunst kann berühren


Kennen Sie das? Sie sehen ein Kunstwerk, hören ein Musikstück oder sehen eine Inszenierung und es erwischt Sie unvorbereitet und eiskalt? Passiert einem zugegebenermaßen ja nicht so oft. Aber wenn, dann ist es toll, denn es zeigt, dass man immer noch brennt für seine Leidenschaft und dass es auch immer wieder etwas zu entdecken gibt. Das bedeutet nicht, dass es ein zeitgenössisches Werk sein muss, denn ich habe auch schon Stunden vor Holbeins “Darmstädter Madonna” verbracht, völlig sprachlos ob der Schönheit, Ästhetik und Aussagekraft dieses Werkes. 

Heute aber geht es um ein zeitgenössisches Kunstwerk, das mir eine Freundin nahe brachte, ganz ohne Absicht, Hintergedanken oder Ahnung (das möge sie mir verzeihen).

Zum Geburtstag bekam ich die Biografie von Marina Abrahmovic von eben jener Freundin geschenkt. Natürlich kannte ich die Künstlerin durch ihre Performances, die oftmals selbstzerstörerischen Charakter haben, doch beim Lesen der ersten Seiten keimte ein neues Interesse auf.

So stieß ich auf eine ihrer letzten großen Performaces “The Artist is present” im MoMA 2010. Die Künstlerin saß auf einem Stuhl im MoMA in New York, 90 Tage, 6 Tage die Woche, 8 Stunden ohne Toillettengänge oder andere Pausen. Die Menschen standen Schlange, campierten vor dem Museum, nur um einmal für eine kurze Weile vor der Künstlerin zu sitzen und ihr in die Augen zu schauen. Es gab kein Gespräch, keine Berührung war zugelassen. Wenn ich es so erzähle klingt es furchtbar langweilig, aber diese Auseinandersetzung mit der Künstlerin war für viele Besucher noch viel mehr – eine Konfrontation auch mit dem Ich.

Diese Performance ist als Doku 2012 veröffentlicht worden, dabei erfährt man mehr über die Idee, die Künstlerin etc., aber man sieht auch die Begegnungen. Ausschnitte kann man sich z.B. auf YouTube ansehen. Diese Begegnungen haben mir wirklich die Tränen in die Augen getrieben, manch‘ eine Begegnung ist kurz, nicht besonders intensiv, andere aber sind so tiefgründig und ergreifend. Für mich hat es mal wieder gezeigt, was der Kern, der Sinn, die Aufgabe von Kunst ist: Sie muss nicht für die Ewigkeit bestehen. Gut, wenn sie es tut, aber sie es muss nicht, sie muss aber berühren, sie muss im Kopf bleiben, weil sie schockiert, traurig macht, wütend, betroffen, gerührt oder erfreut. Perfomances sind kurzweilig und kurzlebig, sofern sie nicht aufgezeichnet sind, aber das macht gar nichts, denn für die Menschen, die dabei waren, bleibt sie, ist nachhaltig und bewegt.

Wie Sie merken, ich habe mich verliebt und das führt natürlich dazu, dass ich mich gerade viel mit Perfomance beschäftige, ein Effekt, den Kunstwerke, Musikstücke, Inszenierungen etc. auslösen können. Und so geht die private Kulturreise im Kopf weiter, aber auch physisch, wenn man möchte.

Schauen Sie es sich an, und wenn es Ihnen geht wie mir, dann bietet die Bundeskunsthalle Bonn einen Anlass zur Reise. Bis zum 12. August zeigt sie – Marina Abramovic. The Cleaner

In diesem Sinne!

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