Seit Dezember 2020 sind Kurse in Präsenz nicht möglich. Wie gehen Dozent*innen mit den Herausforderungen um? Wie arbeiten sie online mit den Teilnehmer*innen zusammen?

Melanie Simonidis, Christine Wieczorek, Dick Doodeman, Katharina Mayer, Marvin Weigold und Felix Hanselle haben sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten entschlossen, die digitale Lernwelt zu erobern. Sie arbeiten im Bereich Familie, Kinder, Ausbildung, Babys und Kleinkinder.

Die Teilnehmer sind überrascht, dass auch online ein Gruppengefühl möglich ist.

— Dick Doodemann, Qualifizierungskurse zum/zur Berater*in im sozialen Bereich

1. Wie war / ist für Sie die Umstellung, Kurse online zu unterrichten?

Katharina Mayer
Die Umstellung ist mir leicht gefallen. Am Anfang war ich skeptisch, habe dann aber relativ schnell festgestellt, dass Yoga online für beide Seiten (Teilnehmende und Kursleiterin) gut funktioniert.

Christine Wieczorek
Am Anfang war es schwierig, aber das hat sich schnell gegeben. Die Teilnehmerinnen sind sehr dankbar, dass überhaupt etwas stattfindet. Alle lassen sich darauf ein und schaffen eine tolle Teamatmosphäre. Der Austausch zwischen den Müttern ist trotzdem da. Hilfreiche Tipps zu Babyfragen können genauso ausführlich besprochen werden. Die Teilnehmer haben über den Kurs hinaus auch Kontakt und ein Netzwerk z.B. eigene Whatsapp-Gruppen oder private Spaziergänge.

Dick Doodeman
Ich habe bereits seit einigen Jahren berufsbedingt Erfahrungen mit Webinaren, daher war für mich die Umstellung nicht groß. Es war für mich nichts Neues und die Umsetzung keine Herausforderung.

Marvin Weigold und Felix Hanselle
Ein erstes Konzept für unseren Online-Zauberworkshop war recht schnell erstellt. Neben einem kürzeren Zeitfenster bestand die Herausforderung unserer sehr interaktiven normalen Live-Workshops darin, auch das Onlineformat für die Kinder spannend und abwechslungsreich zu gestalten.

Melanie Simonidis
Ich unterrichte in zwei verschiedenen Bereichen, deshalb muss meine Antwort zweigeteilt ausfallen: Für meine Infoabende Hochbegabung und Hochsensibilität ging die Umstellung recht gut, meine anderen Angebote im Bereich Babys/Kleinkinder konnte ich online leider nicht so gut verwirklichen.

Ein erstes Konzept für unseren Online-Zauberworkshop war recht schnell erstellt.

— Marvin Weigold und Felix Hanselle, vhs-Kursleiter für Zauberei

2. Was haben Sie an Ihrem Konzept geändert,
um dieses Format attraktiver zu gestalten?

Dick Doodeman
In Präsenz setze ich natürlich völlig andere Arbeitsmethoden ein, die online nicht möglich sind. Ich versuche zwar das Konzept 1 zu 1 umzusetzen, allerdings mit anderen Arbeitsmethoden. So nutze ich die Breakoutrooms, damit die Teilnehmer in Kleingruppen zusammenarbeiten können und nutze andere Medien, wie Filme, Webseiten oder mache eine Meinungsumfrage. Auch die Menge der Hausaufgaben ist mehr geworden, da viele Dinge in Ruhe bearbeitet werden müssen.

Christine Wieczorek
Das Konzept musste kaum geändert werden, da es mir wichtig ist, so authentisch wie möglich zu sein. Ich habe lediglich die Position des Laptops sowie den Ort optimiert, inhaltlich aber nichts geändert. Letzten Endes hat nur die Räumlichkeit gewechselt. Ich singe am Anfang Lieder und Verse auf, gebe Anregungen und Tipps. Für die Babys ist es viel entspannter, da sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und auch im Winter das An-und Ausziehen wegfiel. Auch für die Mütter ist es entspannter, da sie sich nicht auf den Weg machen müssen. Man kann sich bequem von zuhause zuschalten. Die Teilnehmer nehmen regelmäßiger teil, da es einfach bequemer ist. Wenn die Nacht, z.B. anstrengend war, sind einige daheim geblieben. Jetzt wird nebenher sogar noch gefrühstückt.

Melanie Simonidis
Meine Infoabende letztes Jahr habe ich an die neue Situation angepasst, in der wir uns befanden (im ersten Lockdown) und sie dahingehend abgeändert, dass es auch für Eltern gepasst hat, deren Kinder mit dieser Situation schlecht klar kamen. Dieses Jahr habe ich gerade den Infoabend zur Hochbegabung gehalten – dadurch, dass ich ihn auch im Präsenzunterricht immer schon als Vortrag mit dynamischem Austausch gehalten habe, musste ich mich gar nicht so wirklich umstellen.

Katharina Mayer
An meinem Konzept musste ich keine großen Änderungen vornehmen, ich habe festgestellt, dass es auch online gut funktioniert.

Meine Infoabende letztes Jahr habe ich an die neue Situation angepasst.

— Melanie Simonidis, Ratgeberkurse für Eltern mit hochsensiblen/hochbegabten Kindern

3. Wie funktioniert das digitale Konzept seitens der Teilnehmenden? Kann
eine Begegnung/ein Austausch stattfinden?

Melanie Simonidis
Es gibt ziemliche Unterschiede, da die technische Ausstattung und auch die technischen Kenntnisse der einzelnen Teilnehmer sehr verschieden sind. Ein guter Austausch kommt aber trotzdem zustande.

Christine Wieczorek
Ein Austausch findet im Kurs aber auch privat statt. Die Teilnehmer*innen sind dankbar, dass es einen Ort zum Austauschen gibt und Probleme besprochen werden können, die es ja weiterhin gibt, wie Durchschlafen, Beikost etc. Für die Mütter bleibt diese Form entspannter. Trotz der Vorteile bleibt der persönliche Kontakt natürlich auf der Strecke.

Dick Doodeman
Es funktioniert, aber nicht so gut. Denn gerade im Bereich Beratung ist es schwierig, da die nonverbalen Kommunikationszeichen nicht transportiert werden können. Online verpasst man 80% der menschlichen Kommunikation, die gerade in diesem Bereich sehr wichtig sind. Diese können auch nicht kompensiert werden. Trotzdem sind auch die Teilnehmer überrascht, dass auch online ein Gruppengefühl möglich ist und sich bildet – auch wenn das Zwischenmenschliche fehlt.

Marvin Weigold und Felix Hanselle
Grundsätzlich kann ein digitales Medium in unseren Augen nicht den direkten, persönlichen Kontakt ersetzen. Wir denken, wir haben die Herausforderung gut gemeistert: Beim gemeinsamen Basteln, Zaubern und Üben besteht der ständige Kontakt über Mikro und Kamera,  um den Workshop auch digital so interaktiv wie möglich zu gestalten.

Katharina Mayer
Der online-Austausch unter den Teilnehmern findet natürlich nicht so statt, wie er in den Präsenzkursen stattfinden kann. Da man sich beim Yoga in erster Linie  auf sich selbst konzentrieren sollte, kann es auch ein Vorteil sein, wenn man das zu Hause alleine, aber gleichzeitig online in der Gruppe machen kann.

Da man sich beim Yoga in erster Linie auf sich selbst konzentrieren sollte, kann es auch ein Vorteil sein, wenn man das zu Hause alleine, aber gleichzeitig online in der Gruppe machen kann.

— Katharina Mayer, Yogakurse für Schwangere

4. Finden Sie es gut digital zu unterrichten? Was sind die Vorteile/Nachteile?

Marvin Weigold und Felix Hanselle
Natürlich haben wir an den Online-Workshops große Freude. Dennoch sehen wir schon mit großer Freude wieder den regulären Live-Workshops entgegen. Direkt in strahlende Kinderaugen zu blicken und die Faszination zu sehen, das ist Digital nicht das Gleiche.

Melanie Simonidis
Ich unterrichte lieber in Präsenz. Die volle Konzentration zu erbringen, auf Fragen einzugehen, die Teilnehmer in ihren Reaktionen zu beobachten und darauf auch wieder selbst zu reagieren und dies alles lediglich über einen Bildschirm, ist schon anstrengend. Ich brauche aber auch, das gebe ich ehrlich zu, die direkten auch non-verbalen Signale, die mein Gegenüber aussendet. Und für meine anderen Angebote im Bereich Baby/Kleinkind sehe ich die klaren Nachteile, dass sie digital nicht wirklich machbar sind, auch gerade für die Kleinkinder nicht. Aber einen klaren Vorteil sehe ich dennoch: digital können trotz allem Menschen erreicht werden, auch über die Stadtgrenze hinaus!

Katharina Mayer
Ich finde es gut, Yoga digital zu unterrichten. Da ich das hauptberuflich und für viele Institutionen anbiete, fällt für mich natürlich dadurch auch viel Fahrzeit weg. Außerdem war es in der kalten und ungemütlichen Jahreszeit ganz schön, das Ganze von zu Hause aus machen zu können. Der Nachteil ist allerdings, dass man sich so nicht mehr persönlich, in einem Raum, begegnet. Für die Schwangeren ist es oft auch bequemer, die Yogastunde von daheim zu machen. Die Ausfälle  sind viel weniger geworden.

Christine Wieczorek
Es fehlen schon die persönlichen Kontakte, aber wenn ich sehe, wie entspannt die Babys sind, dann ist das ein klarer Vorteil. Die Kurssituation ist entschleunigter. Zukünftig wäre eine Mischung von Präsenzkursen und digital gut. Vielleicht auch eine Zuschaltung in den Kurs, für Mütter, die mit ihren Kindern zu Hause bleiben, weil das Kind krank oder unruhig ist. Beachtlich ist, dass es mehr Anwesenheit gibt als in Präsenz, da man sich bequem zuschalten kann und auch Teilnehmende vom Umkreis sind dabei, die sonst nicht mitmachen würden.

Dick Doodeman
Ich finde digitale Kurse nicht besser als in Präsenz, da die  zwischenmenschliche Komponente fehlt, die gerade in diesem Bereich sehr wichtig ist. Empathie und Gefühle können nur schwer vermittelt werden. Die Teilnehmer fallen in ein Konsumentenverhalten. Aber trotzdem muss man sagen, dass es funktioniert und es wesentlich besser ist, als nichts anzubieten. Der einzige Vorteil dieser Kurse ist eine erhöhte Präsenz, da auch verunsicherte Teilnehmer oder welche mit Vorerkrankungen daran teilnehmen können.

Zukünftig wäre eine Mischung von Präsenzkursen und digital gut. Beachtlich ist, dass es mehr Anwesenheit gibt als in Präsenz, da man sich bequem zuschalten kann.

— Christine Wieczorek, Kurse für Eltern mit Babys


Karina Glaser, vhs Mitarbeiterin im Bereich Elternbildung und Angebote für Kinder
Karina Glaser

Karina Glaser arbeitet im Bereich Elternbildung und Angebote für Kinder.

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