Wieso eigentlich eine Trauerkantate?

Ein Musikstück neu auflegen? Quellenforschung in Archiven und schlecht lesbaren alten Handschriften? Was daran faszinieren kann und welches Ergebnis dabei herauskommt und warum Ihr zum Konzert des vhs-Orchesters Ende März kommen solltet, erfahrt Ihr von dem Musikwissenschaftler Dennis Ried.

Noten mit Blüte
Noten mit Blüte, pixabay.com

Wie schon berichtet, findet am 23. und 24. März das große Konzert des vhs-Orchesters, des vhs-Chors, eines Projektchores und des Chors der Hoffnungs- und Versöhnungsgemeinde statt.

Die Idee zu einem solchen Großprojekt stammt von unserem Orchesterdirigenten Jasper Lecon.

Auf der Suche nach geeignetem Material für diese Besetzung, zu der auch noch die Solistin Lea Lamparter gehört, wurde er fündig in der Trauer-Kantate von Ludwig Baumann.

Die Bearbeitung dieser Kantate hat dann Dennis Ried übernommen und er wird sie 90 Jahre nach der Uraufführung neu herausgegeben. Ich habe mich gefragt, wie man ein solches Stück findet und was einen Musikwissenschaftler an seiner Arbeit fasziniert.

Dennis Ried arbeitet seit 2016 für das Max-Reger-Institut, zuerst als Praktikant, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit 2017 promoviert er im Fach Musikwissenschaft, seine Masterarbeit schrieb er über Ludwig Baumann und wurde dabei auch auf die Kantate aufmerksam.

Wieso ist eine Neuausgabe der Trauer-Kantate notwendig?

Dennis Ried, Musikwissenschaftler
Dennis Ried, Musikwissenschaftler

Dennis Ried:
“Eine Neuausgabe ist aus wissenschaftlicher Sicht vor allem dann notwendig, wenn ein neuer Forschungsstand vorliegt und die alte Ausgabe den aktuellen Wissensstand nicht mehr ausreichend widerspiegelt. Bei Baumanns Kantate ist der Grund jedoch viel einfacher: Es gibt keine adäquate Ausgabe. Die Kantate liegt in zahlreichen Teilen vor, zum Teil handschriftlich und in (autographischen) Drucken. Schaut man sich die gedruckte Partitur an, erkennt man sofort die Schwierigkeiten der Umsetzung: Manche Stellen sind schwer lesbar.
Hinzu kommt noch, dass der Autographie-Druck eine Art kopierte Handschrift ist und diese an einigen Stellen Fehler aufweist. Auch das Vorliegen in einzelnen Teilen macht eine Neuausgabe notwendig.
Mein Ziel ist es, dieses Werk mit seiner komplexen Quellenlage wissenschaftlich aufzuarbeiten und eine kritische Ausgabe zu erstellen, die eine Weiterbeschäftigung sowie eine Aufführung des Werkes möglich macht.”

Was fasziniert Sie an dieser Arbeit?

Dennis Ried:
“Mein Interesse gilt dem Ungewissen. Ich bin begeistert von der Suche nach Informationen und dem Erschließen von bisher unbekannten Zusammenhängen.
Und das ganz allgemein: egal ob es sich um die Analyse einer Symphonie, oder um die Rekonstruktion einer Lebensgeschichte handelt. Es gibt immer etwas zu finden und wenn nicht, ist das auch ein Ergebnis. Man muss nur lange genug suchen und gespannt sein, was sich auf der nächsten Seite einer Quelle befindet. Wenn man sich für so etwas begeistern kann, wird es einem nie langweilig. Erst letzte Woche habe ich eine musikalische Quelle im Stadtarchiv Karlsruhe eingesehen, von deren Existenz ich schon länger wusste. Wie sich dann herausstellte, war diese Quelle nicht wie erwartet eine Bearbeitung, sondern das bisher als verschollen geglaubte Stimmenmaterial zu einer früheren Fassung (1907) des Schlusschorals der Kantate, der bei der Trauerfeier für Friedrich I. von Baden 1907 gespielt wurde.”

Wenn Ihr Lust habt Dennis Ried und “seine” Trauer-Kantate kennenzulernen, dann lohnt sich der Besuch des Konzerts, denn er wird den Abend musikwissenschaftlich begleiten.

Nächste Woche machen wir übrigens Pause, damit sich alle vom Karneval erholen können 😉

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