Neben der Beförderung kleiner Kinder sind sie auch prima zum transportieren von Musikinstrumenten, Pflanzen, Möbeln, Wochenendeinkäufen oder zum Picknickausflug geeignet. Unsere Kollegin Franziska Schreiber hat mit Manuel Quinting gesprochen. Er ist einer der Gründer der ehrenamtlichen Initiative Lastenkarle, einem kostenfreien Lastenradverleih.

Lastenfahrrad mit Blumen an Board

Gleichzeitig gab es damals schon frei ausleihbare Lastenfahrräder in mehr als 40 Städten bundesweit. So lag es nahe, in Karlsruhe als Fahrradstadt ebenfalls ein Lastenrad-Leihsystem aufzubauen.

Wie kam die Idee zustande und wann wurde Lastenkarle gegründet?

Die Aktion „Umsteiger gesucht!“ der Stadt Karlsruhe, bei der Karlsruher Familien und Gewerbetreibende im Jahr 2016 für 3 Wochen Lastenräder testen konnten, zeigte mit mehr als 150 Bewerber*innen auf die fünf Testphasen, dass es in Karlsruhe ein großes Potential für die Nutzung von Lastenfahrrädern gibt. Gleichzeitig gab es damals schon frei ausleihbare Lastenfahrräder in mehr als 40 Städten bundesweit. So lag es nahe, in Karlsruhe als Fahrradstadt ebenfalls ein Lastenrad-Leihsystem aufzubauen. Schlussendlich aber war es das Zusammentreffen begeisterter Bürger*innen, Mitgliedern von ADFC und VCD und lokalen Fahrradhändlern zur richtigen Zeit am richtigen Ort, das im Januar 2017 zur Gründung der Lastenrad-Initiative für die Region Karlsruhe e. V. führte. Der Name „Lastenkarle“ ging erst einige Wochen später aus einer Social Media Umfrage hervor.

Welche Anfangsschwierigkeiten gab es?

Zu Beginn lag die größte Herausforderung darin, die ersten Räder zu bekommen. Denn ohne Räder keine Nutzer und ohne Nutzer wenig Spenden und finanzielle Ressourcen. Wir haben daher viele Stunden in einen Antrag für den Karlsruher Nachhaltigkeitspreis „Unsere Zukunft – Dein Projekt“ investiert. Das zahlte sich später aus, denn die Jury wählte uns als Siegerprojekt aus und mit dem Preisgeld konnten schnell die ersten Lastenfahrräder beschafft werden.

Wir möchten nicht nur Lastenfahrräder verleihen, sondern die großartige Idee dieses ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Lastentransports auch darüber hinaus verbreiten.

Welche verschiedenen Größen + Modelle gibt es ?

Wir möchten nicht nur Lastenfahrräder verleihen, sondern die großartige Idee dieses ökologisch nachhaltigen und sozial gerechten Lastentransports auch darüber hinaus verbreiten. Daher besteht unsere Flotte aus einem bunten Mix aus einspurigen und mehrspurigen Rädern mit und ohne Elektroantrieb. Nur bei der Größe haben wir uns jeweils für die größten Ladeflächen entschieden, um eine breite Vielfalt an Nutzungsszenarien zu ermöglichen – vom Ausflug mit den Kindern über den kleinen Umzug bis – und das hätten wir vorher nie geglaubt – zum Hochzeitsmobil.

Wie teuer ist ein Lastenrad / E-Lastenrad in der Anschaffung?

Ein gutes Lastenrad ohne Elektroantrieb bekommt man ab rund 2.500 EUR. E-Lastenräder beginnen bei 4.000 EUR.

Wie wird das finanziert?

Die laufenden Kosten unserer Räder und der Buchungsplattform finanzieren wird über die Spenden unserer Nutzer*innen und über die Werbung auf einigen Ladeflächen. Durch die Spenden sind wir auch hin und wieder in der Lage, unsere Flotte zu vergrößern. Die meisten Räder werden jedoch inzwischen von Kooperationspartnern, bspw. aus dem Einzelhandel, in unseren Verleih eingebracht. Das klappt wirklich gut und wir freuen uns, dass sich immer mehr Unternehmen anschließen.

Wie wird das Angebot genutzt und angenommen?

Das Interesse an unseren Rädern hat von Beginn an unsere Erwartungen übertroffen. Aktuell haben wir weit mehr als 2.000 Nutzer*innen und ohne die Corona-Pandemie wären es wohl deutlich mehr. Denn seit Pandemiebeginn haben wir unser Angebot an Rädern um rund 50 Prozent erhöhen können. Besonders freuen uns aber die Rückmeldungen, die unsere Stationen erhalten. Hier merken wir, dass unsere Begeisterung überspringt und auch nachhaltig Wirkung zeigt, wenn wir hören, dass Familien sogar ihr Auto verkauft haben.

Wie bucht man das Rad?

Die Räder können nach einmaliger Registrierung unter www.lastenkarle.de gebucht werden.

Was wird neben Einkäufen noch transportiert?

Hier haben wir schon nahezu alles erlebt, von der Grill- und Picknickausstattung über Musikinstrumente oder auch großen Zimmerpflanzen  bis zum Zweisitzer-Sofa. Auch als ein ganz besonderes Hochzeitsmobil wurden unsere Räder schon gebucht. Am beliebtesten ist allerdings die Beförderung von kleinen Kindern, sowohl im Alltag als auch in der Freizeit.

Familie mit Lastenfahrrad

Am beliebtesten ist die Beförderung von kleinen Kindern, sowohl im Alltag als auch in der Freizeit.

Welches sind beliebte Leihstationen?

Das ist gar nicht so eindeutig zu sagen. Besonders frequentiert sind sicherlich die zentral gelegenen Stationen in der Innenstadt beim Basislager sowie bei Kais Pizza und grundsätzlich natürlich alle Stationen mit E-Lastenfahrrädern, wie z. B. Oststadt oder Südstadt.

Welche Tage werden am meisten nachgefragt?

Die Wochenenden von Freitag bis Montag sind sehr beliebt.

Wieviel km werden durchschnittlich gefahren?

Diese Frage können wir leider nicht beantworten. Interessant wäre ja, wie lang die Wege sind, die die Nutzer im Schnitt zurückliegen, aber da wir keine GPS-Ortung besitzen, haben wir diese Daten nicht. Eine durchschnittliche Länge hat pauschal keine Aussagekraft, da eine Ausleihe nur eine halbe Stunde dauern kann, aber an einem verlängerten Wochenende auch fünf Tage lang sein kann. Eine Zahl aber dann doch noch: Unsere E-Lastenräder bringen es teilweise je Rad auf mehr als 6.000 km pro Jahr!

Wie kommt man gut durch Baustellen, Umleitungen und schmale Wege?

Bei unzumutbar schmalen Wegen ist es rechtlich zulässig und aus Sicherheitsgründen absolut zu empfehlen, die Fahrspuren des Autoverkehrs zu nutzen. Die zahlreichen Baustellen in Karlsruhe stellen einen immer wieder vor neue Herausforderungen. Hier ist es wichtig, so gut es geht zu planen oder mehr Zeit für Ausweichrouten einzukalkulieren. Zum Glück sollten in den nächsten Monaten ja einige größere Baustellen verschwinden …

Wie funktioniert die Instandhaltung?

Wir haben für alle Stationen ehrenamtliche Paten, die regelmäßige Kontrollen durchführen und die Räder bei Bedarf zur Reparatur zu einem Händler bringen.

Welche Wünsche hat Lastenkarle für die Zukunft?

Für das Lastenradfahren in der Region Karlsruhe wünschen wir uns, dass zukünftig insbesondere in den Wohnquartieren ausreichende Abstellmöglichkeiten geschaffen werden und Radwege so breit ausgebaut werden, dass Lastenfahrräder auf ihnen sicher und komfortabel unterwegs sind und sich überholen können. Hier ist noch viel zu tun, damit sich auch in Zukunft noch mehr Menschen für das Lastenrad entscheiden. Für uns als gemeinnützige Initiative wünschen wir uns, dass wir noch mehr begeisterte Aktive zum Mitmachen motivieren können, um gemeinsam Schritt-für-Schritt unserer Vision ein Stück näher zu kommen: kostenfreie Leih-Lastenräder für alle Menschen in der Region.