Wir leben seit gut einem Jahr in ganz besonders herausfordernden Zeiten. Was sagen die vhs-Mitarbeiter dazu?

Erol Weiß, Direktor der vhs Karlsruhe

Es freut mich, dass die vhs Karlsruhe einen enormen Schub mit der Digitalisierung gemacht hat und sehr viele, auch innovative Angebote umsetzt.

— Erol Weiß, Direktor

Was bewegt Sie?

Die Unvernunft vieler Mitmenschen. Das hätte ich nicht erwartet. Die Argumente der Corona-Leugner sind für mich in keinster Weise nachvollziehbar. Ich hätte nie vermutet, dass es so viele Menschen gibt, die wissenschaftlich belegte Fakten ignorieren und lieber dubiosen Meinungsmachern ohne jede Fachkenntnis glauben. Das macht mich fassungslos.

Wie hat sich die Arbeit in Kursplanung, Verwaltung und Kommunikation verändert?

Das Tempo ist leider noch schneller geworden, weil man in kürzester Zeit auf neue Herausforderungen, z. B. Umsetzung von Verordnungen reagieren muss.

Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

Die Digitalisierung hat enorm an Tempo zugenommen. Ich gehe davon aus, dass künftig viele Dienstreisen, bzw. -fahrten wegfallen werden, weil ca. die Hälfte aller Verbandssitzungen als Videokonferenz stattfinden werden. Das hat Vor- wie Nachteile. Man spart zum einen viel Zeit, aber der direkte persönliche Austausch in der Kaffee- oder Mittagspause geht verloren. Da fanden meist die interessantesten Gespräche und Austausche statt.

Welche Fähigkeiten braucht es jetzt im & für den Job?

Noch mehr Flexibilität ist gefordert und man muss sich noch mehr als sonst auf Unvorhergesehenes einstellen. Hier hilft es, gelassen zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Gibt es eine typische Alltagssituation?

Nicht anders als sonst. Aber: Die permanente Gleichzeitigkeit sehr heterogener Ereignisse hat noch zugenommen.

Was bedeutet Digitalisierung im vhs-Alltag?

Video-Konferenzen anstatt Face-to-Face-Begegnungen. Das Zwischenmenschliche kommt zu kurz.

Was freut und was ärgert Sie?

Es freut mich, dass die vhs Karlsruhe einen enormen Schub mit der Digitalisierung gemacht hat und sehr viele auch innovative Angebote umsetzt. Es ärgert mich, dass die Regierung zu inkonsequent war. Ein Lockdown im Oktober, wie ihn die Wissenschaftler gefordert hatten, hätte uns allen einiges ersparen können. Es ärgert mich auch die Unvernunft vieler Mitmenschen und das Fehlen an Rücksichtnahme. Nur gemeinsam ist eine solche Pandemie zu bewältigen. Jetzt dauert es leider länger und das kostet viele das Leben oder die Existenzgrundlage.

Was würden Sie im Rückblick anders machen?

Versuchen, den Kolleg*innen mehr Gelassenheit zu vermitteln. Denn es gibt nun mal Dinge, die man nicht ändern kann, und die muss man erkennen lernen. Eine Verordnung ist eine Verordnung ist eine Verordnung. Ich würde noch mehr kommunizieren als sonst schon.

Nicola Günzler, Fachbereich Fremdsprachen

Was anfangs neu war, bot bald auch Chancen.

— Nicola Günzler, Fachbereich Fremdsprachen

Wie hat sich die Arbeit in Kursplanung, Verwaltung und Kommunikation verändert?

Die Kurzfristigkeit der Corona-Verordnungen verlangt den Teilnehmenden, den Kursleitenden und auch uns bei der Planung neuer Kurse viel Flexibilität ab. Seit einem Jahr findet unser Kursangebot digital statt, Kurse in Präsenz waren nur vorübergehend möglich. Ich freue mich daher sehr, dass unsere Teilnehmer*innen und Kursleiter*innen gleich zu Beginn der Pandemie auch für den Unterricht der Fremdsprachen Englisch, Französisch und Italienisch, für die ich seit wenigen Monaten zuständig bin, in das neue Onlineformat wechselten.

Was freut Sie?

Was anfangs neu war, bot bald auch Chancen: Viele Teilnehmende nutzen die gewonnene Zeit, die aus den Einschränkungen der Pandemie entsteht, um bequem von zu Hause aus erlernte Sprachen aufzufrischen oder in neue Sprachen hineinzuschnuppern, für die sie vor Corona niemals Zeit hatten. Und dank der Standortunabhängigkeit von unseren Onlinekursen finden wir dort vermehrt auch Teilnehmende, die sich aus den verschiedensten Städten Deutschlands zuschalten. Umgekehrt haben wir die Möglichkeit, beispielsweise Englischunterricht aus Irland anzubieten.

Was bedeutet Digitalisierung im vhs-Alltag?

Unser Angebot in den Fremdsprachen erneuert sich regelmäßig. Wir planen zur Zeit nicht mit den beiden gewohnt langen Semestern pro Jahr, sondern in kleiner gefassten Einheiten. So können wir flexibler auf die behördlichen Vorgaben reagieren und bieten regelmäßig die Möglichkeit zum Neueinstieg in die verschiedenen Sprachniveaus.

Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

Ich sehe die neuen Umstände als Chance, die Digitalisierung auch in unserem Bildungsangebot voranzutreiben – nicht blind, sondern als Versuch, Routinen zu überdenken und neue Wege zu gehen. Die Herausforderungen der letzten Monate haben uns agiler gemacht. Hoffen wir, dass wir bald auch wieder in die Präsenz zurückkehren und selbstbestimmt zwischen den Formaten wechseln können.

Sandra Ceasar, Beratung und Anmeldung im Servicebüro

Für die Online-Kurse spielt der Wohnort keine Rolle mehr. Eine schöne und neue Erfahrung.

— Sandra Ceasar, Beratung und Anmeldung im Servicebüro

Was bewegt Kunden, was wird oft gefragt?

Die erste Kundenfrage ist fast immer: „Wann öffnet die vhs wieder?”

Was bedeutet Digitalisierung im vhs-Alltag?

Derzeit finden viele Kurse online statt. Auch für uns eine neue Herausforderung. Neulich hatte ich einen Kunden aus Stuttgart am Telefon, der für seine Freundin, die aktuell in Kalifornien wohnt, einen Deutschkurs gesucht hat. Und gerade hat eine Dame angerufen, deren Schwester in Südafrika wohnt und ebenfalls einen Deutschkurs online machen möchte. Für die Online-Kurse spielt der Wohnort keine Rolle mehr. Eine schöne und neue Erfahrung.

Porträt Rene Lazar, vhs Haustechnik

Neue, noch nicht bekannte Präsenz-Kursformate werden hinzukommen, andere fallen vielleicht weg.

— René Lazar, Haustechnik

Was bewegt Sie?

Was uns alle bewegt – Corona. Sorge um die eigene Gesundheit, die der Angehörigen, Freunde und Kollegen und um die wirtschaftliche Zukunft der vhs. Eine Zäsur, die alle gesellschaftlichen Bereiche und die der vhs erfassen wird.

Welche Entwicklung zeichnet sich ab?

Definitiv – Digitalisierung der vhs. Online- und Streamingangebote werden nach der langen Schließungszeit bestehen bleiben, neue, noch nicht bekannte Präsenz-Kursformate werden hinzukommen, andere fallen vielleicht weg.

Welche Fähigkeiten braucht es jetzt im / für Ihren Job?

Optimismus und Flexibilität.

Gibt es eine typische Alltagssituation?

Für uns Hausmeister typisch und beinahe täglich ist, da wir uns auch sehr oft vor und um das vhs-Gebäude bewegen, Kontakt zu Menschen, die immer noch überrascht sind, das wir geschlossen haben. Wir helfen ihnen so gut wir können bei Fragen weiter und/oder informieren Ansprechpartner im Haus.

Was bedeutet Digitalisierung im vhs-Alltag?

Eine absolute Notwendigkeit, um interessant für eine junge, neue Generation von vhs-Kunden zu sein. Konkurrenzfähigkeit gegenüber Mitbewerbern mit ähnlichen Angeboten, um überhaupt zukunftsfähig aufgestellt zu sein.

Was freut Sie?

Wir Hausmeister hatten so viel Zeit wie nie zuvor, um im Haus und drum herum Sanierungs,- Renovierungs,- und Modernisierungsarbeiten auszuführen, so dass bei Wiedereröffnung unsere Besucher eine völlig neue vhs vorfinden werden.